MIA. keine zeit zu verlieren


Die Proben finden im Wohnzimmer statt, die ersten Auftritte in miefigen Kellergruften. Mieze, die Sängerin, hat grün gefärbte Haare, jede Menge Wut im Bauch und grölt ihren Song „Skandal“. Auf der Bühne tanzt sie ihren Veitstanz wider die „faulen Arbeitsämter“ und den „Euro/Teuro“. Dazu schrammeln ihre Jungs in der Band selbstvergessen auf ihren E-Gitarren rum, im Hintergrund flackern simple Einspielungen. Der Aufstieg der Band in den musikalischen Olymp der Neuen Deutschen Popwunder nimmt seinen Lauf. Ein Plattenlabel namens R.O.T. wird aufmerksam, das erste Video wird in den Straßen Berlins gedreht. Es folgen Konzert um Konzert bis es zu einem ersten harten Einschnitt kommt. Mieze hat Probleme mit ihrer Stimme. Ein weiteres Mal wird es unerwartet ernst für die Band, als sie gemeinsam mit einer Blaskapelle die „Love Parade“ im Jahr 2003 mit dem Song „Was es ist“ eröffnen. An diesem Lied, in dem die Musiker ihr Verhältnis zu Deutschland beschreiben, entzünden sich von radikal links bis radikal rechts sämtliche Gemüter. Es fliegen Eier und es folgen hilflos stammelnde Rechtfertigungsversuche bei Pressekonferenzen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleiten die beiden Filmemacher die Band von ihren wilden, punkigen Anfängen bis zu ihrer verfehlten Qualifikation für den Eurovision Song Contest. Eine Lehrzeit, die den Erfolg von MIA dennoch nicht schmälern konnte. Es ist die Geschichte einer Band und gleichsam ein Fragespiel, ob man sich in diesem Business treu bleiben kann oder sogar muß.                                           C.K.

( alle Bilder aus dem Film / all pictures taken from the movie )


MIA. – No Time to Lose


Rehearsals take place in the living room, first gigs in frosty cellars. Mieze, the singer has green hair, is full of anger and bawls her song “Skandal” into the micro. On stage she is dancing against “lazy job centres” and the “Euro/Teuro”. The lads of the band are strumming their electric guitars, simple recordings jitter in the background. The band’s rise to fame as one of the new German pop stars is taking shape. A record label called R.O.T. shows interest, the first video is shot in the streets of Berlin. Numerous concerts follow until the first big set-back – Mieze gets problems with her voice. Another time it gets seriously tricky for the band at the opening of the “Love Parade” 2003, when they performed together with a brass band. In their song “What is it” the musicians described their relationship to Germany and sparked off huge uproar among left as well as right radical groupings. Eggs were thrown on stage and helplessly babbling band members tried to justify themselves at press conferences. The film-makers accompanied the band over a period of two years, from their wild punk days to their failed qualification for the Eurovision Song Contest. A learning process that couldn’t derogate the success of MIA despite everything. It is the story of a band as well as a question if you can, or even have to remain true to yourself in the music business.







Pressestimmen:


Dokumentarfilmfestival Leipzig, August 2005

( ... ) wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, daß unsere Auswahlkommission Ihren Film *MIA. - Keine Zeit zu verlieren* für das offizielle Programm des 48. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm (3. - 9. Oktober 2005) ausgewählt hat.
Herzlichen Glückwunsch! Das Festival besteht aus folgenden Programmen: Internationaler Wettbewerb, Internationales Programm, Deutscher Wettbewerb, Retrospektive und Sonderreihen.
Wir möchten Ihren Film im *Internationalen Programm* präsentieren.

> Dokfestival Leipzig : Internationales Programm
> Dokfestival Leipzig : MIA. - Keine Zeit zu verlieren


Etoile Underground Dates & Music, Berlin, Oktober 2005

Eigentlich alles überhaupt nicht mein Ding: Musik-Doks mit ihren grausam zappelnden Handkameras und diesem hektischen Stakkato-Schnitt aus Satzfetzen und Songfragmenten, das zeitgemäße Loser-Genre ElektroPop und schließlich die aussichtslose Diskussion, ob man 60 Jahre nach Hitler wieder „Ich find Deutschland gut“ sagen darf. Aber bei diesem Film: Respekt! Ich bin in allen Punkten positiv überrascht! Zunächst das Wichtigste, die Band: Mia sind eher engagierte Schrammelrocker bzw. Elektropunks als Elektropopper, schon was ihre Live-Fähigkeiten angeht: sie haben sichtbar Spaß am Musizieren und schaffen es problemlos, auch größere Säle aus dem Stand heraus zu rocken! Und das deutlich schräger und eigenständiger als andere germanische Combos wie z.B. Juli, Madsen o.Ä. Mias Hits, z.B. „Es ist, was es ist“ (welcher sich mehr als nur in der Titelzeile auf Erich Fried bezieht) sind mir aus dem Radio nie sonderlich reingelaufen, live auf der Bühne angerichtet kommt das aber schon ganz anders rüber - das rockt! Da möcht man doch glatt reinspringen! Und das wiederum liegt natürlich auch an den Filmern: die haben es geschafft, trotz engen Proberäumen, Backstage-Tumult und schummerlichtigen Locations qualitativ beachtlich gute Bilder zu drehen, die aber deutlich noch Rock‘n‘Roll atmen. Plus: die DokuBoys haben der Band in den einzelnen Einstellungen genug Zeit gegeben, sowohl ihre Songs wie auch ihre Statements zur Geltung zu bringen. Der Film hat keine musikvideo-üblichen Hackschnitt-Salven nötig, um Tempo oder Spannung anzuschieben, das alles wird schon von der Band und ihrer Story erzeugt.







Und zum politischen Teil: auch wenn man einige Mia-Auftritte und Textzeilen in etwas platter schwarz-rot-gelber Gewandung durchaus als „Knapp vorbei is auch daneben" bezeichen kann: Die Selbstpositionierung der dritten deutschen Nachkriegs-Generation kann einfach nicht nur aus den beiden Extremen Antifa und Neonazis bestehen. Mia, denke ich, haben mehr als nur Propaganda gewollt und das auch (hin)gekriegt. Und gerade das wird in diesem Film in guten Statements deutlich gemacht. Daß die Band mittlerweile nur noch genervt auf das Thema reagiert, kann ich verstehen: die heutige Nachwuchs-Antifa benimmt sich bezüglich Mia leider genau so blöde wie ihre Hauptgegner, die Dumpfglatzen, früher: angesoffen unverstandene Parolen nachgrölen und Wut und Frust auf gerade Daherkommende abladen. Bedauerlich. Aber nicht nur weil er einen guten Beitrag abliefert, sondern weil lebendige Musik und gute Bilder im Vordergrund stehen (und Mia eine Band ist, über die sich eine Dokumentation lohnt), finde ich diesen Film sehr empfehlenswert. Zu sehen ist er am 7.+ 9.10.05 auf dem Leipziger Dokumentarfilm-Festival, die Berliner Premiere und die DVD sind für März 06 geplant. Nähere Informationen findet man/frau hoffentlich bald bei Mia oder den DokuBoys.                     O.Lee

> Originalartikel
> Etoile - Underground Dates & Music


Links zu Mia:

> Mia. Homepage
> Mia. Fanseite | > Mia. Fanpage | > Mia. Forum | > "Angefangen"



Credits:

Mia. - keine zeit zu verlieren
Musik/Konzertdokumentation, D 2005, 50 min. Farbe
Film von Gerd Breiter und Piet Schmelz

Co Regie:.....................Torsten Königs
Kamera:.......................Gerd Breiter
Zusatzkamera:..............Kai Lachmann, Tom Kimmig, Piet Schmelz
Schnitt:........................Torsten Königs, Piet Schmelz
Ton:.............................Peter Dunek
Telecine:......................Nadir Mansouri
Titeldesign:...................Kurz:Haug
Tonmischung:...............Peter Riegel
Vielen Dank an:..... .......MIA., Label R.O.T, Oli Koch, Roman Conrad
....................................Bernd Fischer, Jacqueline Stübing,
....................................Juliane Schmidt, Simone Schmidt, Johnny
....................................Badurina, Christoph Tölle, Stephan Schmidt,
....................................Christlieb Klages, Markus Schmidt, Drago ....................................Baotic, Moritz von Herder, Christian Frosch
....................................Kristina Konrad

Eine DokuBoys Produktion ................................................... © 2005

















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